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Erster geprüfter Notfallsanitäter bei der Berufsfeuerwehr

Seit vergangener Woche kann die Berufsfeuerwehr Pforzheim stolz auf ihren ersten Notfallsanitäter sein. In einer mehrmonatigen Fortbildung hat Rettungsassistent Stephan Bürkle die notwendigen Kompetenzen erworben um vor dem Prüfungsausschuss das Staatsexamen abzulegen.

Der Beruf des Notfallsanitäters löst zukünftig das Berufsbild des Rettungsassistenten ab und wird somit zur höchsten nichtärztlichen Qualifikation im Rettungsdienst. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert drei Jahre und schließt mit einem Staatsexamen ab. Sie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der bisherigen Ausbildung zum Rettungsassistenten. Waren invasive Maßnahmen oder Medikamentengabe in bestimmten Fällen bisher nur über die sogenannte Notkompetenz abgedeckt, sind für den Notfallsanitäter bestimmte heilkundliche Maßnahmen gesetzlich geregelt. So verfügt er nach erfolgter Ausbildung zum Beispiel über die notwendigen Fachkenntnisse, um Notfallmedikamente sicher und zielgerichtet einsetzen zu können und damit bis zum Eintreffen des Notarztes lebenserhaltende Maßnahmen durchzuführen. Mussten Rettungsassistenten ihre Ausbildung bisher selbst finanzieren, gibt es für Notfallsanitäter in der Ausbildung, wie bei allen anerkannten Ausbildungsberufen, auch eine Ausbildungsvergütung.

Neben der dreijährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter gibt es für langjährige Rettungsassistenten die Möglichkeit über eine Fortbildung oder eine Ergänzungsprüfung die Qualifikation zum Notfallsanitäter zu erreichen. Letzteren Weg wählte Stephan Bürkle, der 1991 nach seiner Ausbildung zum Elektriker als Zivildienstleistender beim Arbeiter-Samariter-Bund zum ersten Mal „Rettungsdienst-Luft“ schnupperte. Dort absolvierte er nacheinander die Ausbildung zum Rettungshelfer und zum Rettungssanitäter und war dann dort hauptamtlich tätig, bevor er 1995 zur Pforzheimer Berufsfeuerwehr wechselte. Dort war er jahrelang auf dem Notarztwagen bzw. Rettungswagen eingesetzt, 1999 legte er das Staatsexamen zum Rettungsassistenten ab. Berufsbegleitend schloss sich 2001 die Ausbildung zum Lehrrettungsassistenten an. Bei der Feuerwehr Pforzheim ist der 45-Jährige Leiter der Elektrowerkstatt und auch für die rettungsdienstliche Aus- und Fortbildung der Kollegen zuständig, darüber hinaus ist er seit über zehn Jahren als Dozent an einer Rettungsdienstschule tätig.

Von April bis Oktober dauerte die Fortbildung, die sich aus einem autodidaktischen Teil und verschiedenen Präsenszeiten in Karlsruhe zusammensetzte. In einem Online-Vorbereitungslehrgang wurden die Lehrinhalte zu verschiedenen Themen wie Notfallmedikamente, Krankheitsbilder, Verletzungsmuster und aktuellen notfallmedizinischen Leitlinien bereitgestellt. Lernvideos sowie Zwischenprüfungen rundeten das Online-Angebot ab. Die Vorbereitung der praktischen Handlungskompetenzen sowie Intensivseminare zu den Themen Recht, Einsatztaktik und Pharmakologie machten den Besuch der Rettungsdienstschule notwendig. „Vom fachlichen Niveau ist zwischen der Ausbildung zum Rettungsassistenten und zum Notfallsanitäter ein deutlicher Unterschied spürbar. Die letzten sechs Monate waren sehr zeitaufwändig. Ohne die Unterstützung der Dienststelle und den Rückhalt der Familie wäre das sicherlich nicht möglich gewesen“ äußerte sich Bürkle erleichtert nach der bestandenen Prüfung.

Damit auch zukünftig eine qualifizierte Aus- und Fortbildung des rettungsdienstlichen Personals bei der Berufsfeuerwehr auf aktuellstem Niveau gewährleistet werden kann, soll nun noch die Fortbildung zum Praxisanleiter erfolgen. Aktuell ist Stephan Bürkle bei den Berufsfeuerwehren in Baden-Württemberg der einzige Notfallsanitäter, was Amtsleiter Sebastian Fischer schon ein klein wenig mit Stolz erfüllt: „Um bei komplexen gemeinsamen Einsätzen von Feuerwehr und Rettungsdienst z.B. bei eingeklemmten Personen oder bei einem Massenanfall von Verletzten für die Patienten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, ist eine professionelle rettungsdienstliche Qualifikation der Feuerwehrbeamten sehr wichtig.“