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Bevölkerungsschutz: Häufig gestellte Fragen

Informationen, Ratschläge und Tipps zum Schutz der Zivilbevölkerung

Derzeit erreichen uns in Zusammenhang mit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine verschiedenste Fragen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Themenschwerpunkte dabei sind Fragen zur Warnung und Information der Bevölkerung, zur Versorgungssicherheit mit Gas und damit verknüpft der Stromversorgung, aber auch Fragen zur Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser. Damit Sie auf alle Fälle vorbereitet sind, finden Sie hier Antworten zu häufig gestellten Fragen.

Die Ratschläge und Tipps nutzen nicht nur, wenn der Strom ausfällt, sondern auch, wenn Sie und ihre Familie längere Zeit Ihr Wohnumfeld verlassen müssten (zum Beispiel nach einem Bombenfund), bei Ausfall der Wasserversorgung (zum Beispiel nach einem Rohrbruch) oder wenn nach einem Sturm umgestürzte Bäume die Straßen längere Zeit blockieren und so Einkaufsfahrten verhindern (wie beispielsweise nach Sturm Lothar).

Die Sensibilisierung für ihre persönliche Notfallvorsorge ist dabei nur ein Teil und kann über die Medien erreicht werden. Der wichtigste Baustein ist jedoch das ganz konkrete Umsetzen der Maßnahmen, wie das Herunterladen der Warn-App NINA, die Installation von Rauchmeldern, das Bevorraten von Batterien und das Anlegen von Lebensmittel- und Getränkevorräte. Diesen Schritt müssen Sie für Ihre persönliche Notfallvorsorge selbst tun.

Wie erfahre ich von einem Katastrophenfall oder einer besonderen Gefahrenlage?

Sirenen in Pforzheim

In der Stadt Pforzheim steht ein flächendeckendes Sirenennetz, bestehend aus Elektrosirenen und elektronischen Sirenen, für die Warnung vor Gefahren bereit. Die Sirenen können einzeln, in Gruppen oder auch alle durch die rund um die Uhr besetzte Integrierte Leitstelle für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz über Funk ausgelöst werden, sofern dies erforderlich ist. Das Ertönen der Sirenen soll auf Gefahren aufmerksam machen. Weitere Informationen erhalten Sie dann über den Rundfunk. Schalten Sie dazu ihr Radiogerät auf einen örtlichen öffentlich-rechtlichen oder privaten Rundfunksender. Beachten Sie die Hinweise zur Gefahrensituation und zum richtigen Verhalten.

Weitere Informationen zum Sirenennetz der Stadt Pforzheim

Warn-App NINA

Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes

Ein weiterer wichtiger Warnkanal ist die Warn-App NINA. Rund 10 Millionen Menschen nutzen die App. Sollten Sie NINA noch nicht auf Ihrem Smartphone haben, laden Sie diese App jetzt herunter.

Im Gefahrenfall erhalten Sie dort neben amtlichen Unwetterinformationen des Deutschen Wetterdienstes Informationen über Hochwassergefahren und Kartenmaterial des betroffenen Gebiets auch konkrete Verhaltenstipps in Gefahrensituationen. Warnungen und Verhaltenstipps können in der Integrierten Leitstelle Pforzheim und Enzkreis für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz innerhalb kürzester Zeit ortsbezogen eingestellt werden. Bei Kampfmittelfunden (zum Beispiel bei Bauarbeiten) warnen wir regelmäßig über die Warnapp NINA. Wenn keine Gefahren mehr drohen, informieren wir Sie mit einer Entwarnung.

Dowload der Warn-App NINA

Weitere Warnkanäle

Auf der städtischen Internetseite, bei Facebook und Twitter sowie auf den elektronischen Werbetafeln und dem Fahrgastinformationssystem in der Stadt Pforzheim können wir Sie ebenfalls vor Gefahren warnen. Dieser Warnmix trägt zur Verbreitung der Warnmeldungen bei.

Gasmangellage: Wie erfahre ich von der aktuellen Lage?

Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet. Aber: die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage genau und steht in engem Kontakt zu den Netzbetreibern. Einen Lagebericht zur Gasversorgung gibt die Bundesnetzagentur täglich heraus.

Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung

Die Stadt Pforzheim informiert Sie auf dem eigens eingerichteten Internetportal "Energieversorgung" über die akteuelle Lage in Pforzheim und bietet weitere, umfangreiche Informationen, Tipps und Ratschläge rund um das Thema Gasmangellage.

Infoportal "Energieversorgung in Pforzheim"

Weitere Infos

Auch die Stadtwerke Pforzheim informieren zur aktuellen Lage auf dem Gasmarkt:

Stadtwerke Pforzheim: Aktuelle Lage

Der Notfallplan Gas regelt die Gasversorgung in Deutschland im Krisenfall.

Weitere Infos zum Notfallplan Gas der Bundesregierung

Kann es zu länger anhaltenden Stromausfällen kommen?

Die Qualität der Stromversorgung ist in Deutschland außerordentlich hoch. Nur rund 11 Minuten hatten die Verbraucher in Deutschland im Jahr 2020 im Durchschnitt keinen Strom. Dies belegt auch im europäischen Vergleich die hohe Versorgungssicherheit in Deutschland. Großflächige langanhaltende Stromausfälle sind in Deutschland selten. Die letzten regional begrenzten, größeren Ereignisse fanden 1999 bei Sturm Lothar, 2005 im Münsterland,  2021 in den flutgebieten um die Ahr und erst vor wenigen Wochen in Baden-Baden und Rastatt statt.

Über mehrere Tage oder Wochen andauernde und flächendeckende Stromausfälle, die ganz Deutschland betroffen haben, hat es bisher nicht gegeben. Ausgeschlossen sind auch solche Ereignisse aber nicht. Würde es dazu kommen, wäre dies in allen Lebensbereichen zu spüren. Kommunikation, Gesundheitsversorgung, Mobilität und Lebensmittelversorgung – all diese Bereiche wären eingeschränkt, gestört oder würden ganz ausfallen.

Tipps für den Stromausfall

Um die Auswirkungen zu reduzieren, muss jeder Haushalt Vorsorge für alle Fälle treffen. Legen Sie für sich und Ihre Familie ausreichend Vorräte an:

  • Trinkwasser 
  • Lebensmittel, bei Bedarf auch Babynahrung
  • Hygieneartikel
  • Batterien unterschiedlicher Größe
  • Kerzen, Streichhölzer oder Feuerzeuge

Kaufen Sie nur die Lebensmittel zusätzlich ein, die Sie und ihre Familie auch mögen. Bedenken Sie, dass ein Teil der Lebensmittel im Notfall auch kalt gegessen werden kann. Taschen- oder Campinglampen mit einer ausreichenden Anzahl passender Batterien sorgen für Licht im Dunkel. Ein batteriebetriebenes Radio oder auch ihr Autoradio versorgt Sie mit neuesten Informationen. Im Auto können Sie ihr Mobiltelefon laden. Auf dem Markt werden auch Radiogeräte und Lampen mit Kurbelbetrieb angeboten. Mit einem Campingkocher oder einem Gasgrill mit einer ausreichenden Anzahl passender Gaskartuschen können Sie auch warme Mahlzeiten ohne Strom zubereiten. Denken Sie auch an ihre pflegebedürftigen Angehörigen und bevorraten Sie auch benötigte Pflegeartikel.

Eine Broschüre mit einer Einkaufsliste finden Sie auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

Zur Ratgeberseite des BBK

Brandschutz bei Stromausfall besonders wichtig!

Werden gasbetriebene Kocher und Kerzen unbeaufsichtigt betrieben, besteht ein hohes Brandrisiko. Deshalb diese Geräte im Betrieb nie unbeaufsichtigt lassen! Rauchmelder sollten in allen Wohnräumen installiert sein. Sie sorgen für ein Mehr an Sicherheit. Achten sie bei der Verwendung von offenen Flammen in Innenräumen auf eine ausreichende Lüftung. Für alle Fälle wichtig: Stellen Sie Löschmittel bereit, beispielsweise einen Feuerlöscher, eine Löschdecke oder einen Wasserschlauch.

Schalten Sie bei Stromausfall alle Geräte, die Wärme entwickeln, wie Heizdecken, Heizlüfter, Wasserkocher, Herde, Bügeleisen etc. sofort aus. So verhindern Sie Brandgefahren beim Wiederkehren des Stromes.

Weitere Informationen zum Stromausfall und wie Sie am besten über die Runden kommen, finden Sie auf den Seiten des BBK:

Infos und Tipps bei Stromausfall des BBK

 

Mögliche Freisetzung radioaktiver Stoffe: Helfen Jodtabletten?

In Zusammenhang mit Kampfhandlungen rund um die ukrainischen Kernkraftwerke und einer möglichen Freisetzung radioaktiver Stoffe, wird immer die Frage nach der Einnahme von Kalium-Jodid-Tabletten (Jodtabletten) gestellt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät von Einnahme von Jodtabletten ab!

In Deutschland sind 189,5 Millionen Jodtabletten in den Bundesländern bevorratet, die bei einem Ereignis, bei dem ein Eintrag von radioaktivem Jod in die Luft zu erwarten ist, in den möglicherweise betroffenen Gebieten durch die Katastrophenschutzbehörden verteilt werden. Auch in Pforzheim ist eine ausreichende Anzahl von Kalium-Jodid-Tabletten verfügbar.

Die Einnahme von Jodtabletten schützt aber ausschließlich vor der Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse, nicht vor der Wirkung anderer radioaktiver Stoffe.

Von einer selbstständigen Einnahme von Jodtabletten rät das BfS dringend ab. Eine Selbstmedikation mit hochdosierten Jodtabletten birgt hohe gesundheitliche Risiken, insbesondere für ältere Personen und hat aber aktuell keinen Nutzen.

Das BfS überwacht intensiv die Lage in der Ukraine und stellt sie für die Öffentlichkeit bereit:

BfS: Aktuelle Lage in der Ukraine
Nähere Informationen zum Thema Jodtabletten finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz:

Zur Infoseite des BUMV über Jodtabletten

Gibt es in Pforzheim noch öffentliche Schutzräume?

Zu Zeiten des Kalten Krieges wurden in Pforzheim unter dem Stadttheater, unter einem Seniorenheim und einem größeren Wohnhaus in der Nordstadt Tiefgaragen errichtet. Diese waren baulich so ausgebaut, dass sie auch als öffentliche Schutzräume genutzt werden konnten. 

Mit dem Ende des Kalten Krieges änderte sich die Sicherheitslage. Auch wenn Konflikte wie die Kriege in Ex-Jugoslawien, im Irak und in Afghanistan neue Herausforderungen mit sich brachten, schien es viele Jahre so, dass der jahrzehntelang andauernde Ost-West-Konflikt überwunden schien. Dies führte zur Entwicklung von neuen und für die Gefahrenlage zutreffenderen Szenarien, wie z.B. der terroristischen Bedrohung.

Bund und Länder haben 2007 das Schutzraumkonzept aufgegeben – Neubewertung möglich

Experten gehen heute von einem Schadenszenario ohne Vorwarnzeit aus, daher können Schutzräume der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit mehr bieten. Aus diesem Grunde beschloss der Bund als zuständige Verwaltungsebene für den Schutz der Zivilbevölkerung im Einvernehmen mit den Ländern im Jahr 2007 das bisherige Konzept aufzugeben und die Schutzräume aus der Zivilschutzbindung zu entlassen.

Die aktuelle Bedrohungslage ist vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen russischen Überfalls auf die Ukraine jedoch neu zu bewerten. Hierzu bedarf es einer aktuellen Bedrohungs- und Risikoanalyse. Erst auf Grundlage einer solchen Analyse kann über das weitere Vorgehen im Bereich des baulichen Zivilschutzes entschieden werden.